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Blutiger Sonntag in Bukarest


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UPDATE 13 - 00.30 Uhr: Gendarmerie und Spezialeinheiten haben den Universitätsplatz größtenteils geräumt. Auf der Strecke zum Unirii-Platz herrscht inzwischen Ruhe, die ersten Räumwagen der Müllabfuhr sind bereits vor Ort, um die gröbsten Spuren der Straßenschlachten zu beseitigen. Nach Angaben des Leiters des Bukarester Rettungsdienstes, Bogdan Oprita, mussten im Zuge der heutigen Auseinandersetzungen 17 Menschen, darunter 5 Gendarmen, mit mehr oder minder schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden, insgesamt wurden 33 Personen notärztlich versorgt. Die Bilanz dieses Sonntags ist damit für die rumänische Hauptstadt die blutigste seit dem Einfall der Bergarbeiter Anfang der 1990er Jahre.

 

UPDATE 12 - 23.55 Uhr: Das hauptstädtische Bürgermeisteramt gibt die Gründung eines Komitees für Schadensbewertung bekannt, das ab Montagmorgen mit einer ersten Evaluierung der Sach- und Vermögensschäden im Altstadtkern beginnen soll.

 

UPDATE 11 - 23.45 Uhr: Die Ordnungskräfte sind erneut bis zu dem Unirii-Platz vorgedrungen, im Augenblick ist er größtenteils geräumt. Die meisten Randalierer wichen in die  engen Nebenstraßen des Altstadtkerns aus, um sich neu zu gruppieren.

 

UPDATE 10 - 23.25 Uhr: Im Altstadtkern steht das erste Auto in Flammen. Die Spezialeinheiten der Polizei gehen erstmals mit Gummigeschossen gegen die Randalierer vor. Die Lage im Hauptstadtzentrum wird immer dramatischer.

 

UPDATE 9 - 23.02 Uhr: Das Innenministerium beordert Einsatzkräfte aus mehreren Provinzstädten nach Bukarest. Die Gendarmerie-Truppen aus Pitesti und Ploiesti dürften binnen einer Stunde in der Hauptstadt eintreffen, jene aus Constanta in etwa 4. Mehrere Kiosks auf dem Abschnitt Universitäts-/Unirii-Platz brennen lichterloh, die Feuerwehr ist im Einsatz. Zahlreiche Geschäfte wurden geplündert.

 

UPDATE 8 - 22.45 Uhr: Gendarmerie und Randalierer liefern sich weiterhin Straßenschlachten auf dem Abschnitt zwischen dem Universitätsplatz und dem Platz der Vereinigung/Unirii. Die Ordnungskräfte setzen Wasserwerfer ein, können aber nicht wirksam eingreifen, da die Hooligans Barrikaden aus Parkbänken und Mülltonnen errichtet haben und beim Vordringen der Gendarmen auch auf die Kleinstraßen im Altstadtviertel ausweichen. In der Gegend soll ein Geschäft in Flammen stehen. Inzwischen hat das Innenministerium auch die Spezialeinheiten der regulären Polizei auf die Straßen geschickt. 

 

UPDATE 7 - 20.10 Uhr: Mehrere Verletzte vor dem Coltea-Spital beim Universitätsplatz nach Zusammenstößen zwischen Gendarmen und Hooligans. Die Polizei setzt erneut Tränengas ein. Der zwischen 300 bis 500 Mann starke Trupp der Randalierer bleibt angriffslustig und setzt mit Wurfgeschossen zum Gegenangriff an. Die Reporter flüchten unter Steinehagel in eine etwas sicherere Ferne. Erste Einsatzkräfte mit Wasserwerfern ziehen auf.

 

UPDATE 6 - 21.30 Uhr: Mehrere Verletzte vor dem Coltea-Spital beim Universitätsplatz nach Zusammenstößen zwischen den Gendarmen und Hooligans. Die Polizei setzt massiv Tränengas ein, greift aber nicht hart durch.

 

UPDATE 6 - 21.30 Uhr: Schwere Krawalle im Altstadtkern. Bei der Galeria Cocor, in der Lipscani- und den anrainenden Straßen sind zahllose Schaufenster der Läden und Restaurants in Brüche gegangen, die Randalierer zünden weitere Mülleimer an und schlagen die Autoscheiben der Pkw ein - um die Kirche Sfantu Gheorghe herrscht Chaos.

 

UPDATE 5 - 21.10 Uhr: Innenminister Traian Igas beruft laut einer Depesche der Nachrichtenagentur Mediafax eine Krisenzelle ein.

 

UPDATE 4 - 20.50 Uhr: Mehrere Kleinbrände werden im historischen Stadtkern gemeldet - ein Brandherd befindet sich vor der  Lipscani-Straße, ein weiterer vor dem stadtbekannten historischen Restaurant Hanu' lui Manuc - die Hooligans haben Tische und Stühle des Gaststättenviertels in Brand gesetzt. Die eingetroffenen Feuerwehrautos werden von den Anarchos mit Wurfgeschossen in Empfang genommen. Reporter beschreiben die Szenen als Guerillakrieg-ähnlich. Die Anzahl der Anarchos nimmt im Sekundentakt zu - sie dürfte laut Reportern zurzeit bei mehreren Hundert, eventuell sogar bei 1000 liegen.

 

UPDATE 3 - 20.45 Uhr: Der Chef der oppositionellen Liberalen, Crin Antonescu, fordert sämtliche Mitglieder seiner Partei auf, sich den Demonstranten anzuschließen.

 

UPDATE 2 - 20.30 Uhr: Auf dem Straßen-Abschnitt zwischen der Galeria Cocor und dem Coltea-Krankenhaus am hauptstädtischen Universitätsplatz liefern sich Gendarmen und der Trupp Anarchos eine regelrechte Straßenschlacht. Die Hooligans haben mehrere Müllcontainer in Brand gesetzt und eine Barrikade aus herbeigezerrten Kiosks errichtet und nehmen die heranrückenden Gendarmen mit Ziegelsteinen und Kopfsteinpflaster unter Beschuss. Erste Spezialtruppen der Polizei rücken an, Gendarmen und Polizei setzen massiv Tränengas ein. Die Einwohner werden aufgefordert, ihre Fenster geschlossen zu halten.

 
 
 
 
UPDATE 1: Erste Ausschreitungen auf dem Universitätsplatz in Bukarest, wo sich rund 2000 Demonstranten versammelt haben. Eine Gruppe von etwa 60 Fußball-Hooligans, die sich erneut unter die Protestler gemischt haben, bewarf die Ordnungskräfte gegen 19.30 Uhr Ortszeit zunächst mit Wurfgeschossen und anschließend auch mit Petarden und Molotow-Coctails - die Bekleidung zweier, in unmittelbarer Nähe stehender Kameramänner fing Feuer, Ordnungskräfte warfen sich auf die Journalisten, um die Flammen zu löschen. Mehrere Journalisten wurden von den Wurfgeschossen, hauptsächlich Bordsteine, getroffen - die Fernsehsender brachten Bilder mit ihren blutüberströmten Kollegen. Es gab mehrere Verletzte, die genaue Zahl ist derzeit noch unklar. Die Gendarmen setzten kurzweilig Tränengas an, um den Angriff der Hooligans abzuwehren. Viele der urspünglichen, friedfertigen Protestler verließen die Kundgebung angesichts der Gewalttätigkeiten. Der Verkehr am Uni-Platz ist gesperrt.
 
Zum dritten aufeinanderfolgenden Tag wird in Rumänien in zahlreichen Städten gegen Staatspräsident Traian Basescu und die Sparpolitik der Regierungskoalition unter Premierminister Emil Boc demonstriert. In der westrumänischen Großstadt Timisoara kam es zu Übergriffen gegen einen Anhänger des Präsidenten, der die Demonstranten provoziert hatte. In Bukarest, wo sich nach Angaben der Gendarmerie gegen 16.30 Ortszeit rund 650 Menschen aufhielten, und anderen Großstädten wurde bislang friedlich protestiert.
 
Präsident Basescu äußerte sich noch nicht zu den Demonstrationen. Regierungschef Emil Boc besuchte am Sonntag einen während der gestrigen Straßenproteste in Bukarest verletzten Gendarmen am Krankenbett − der Mann war von gewalttätigen Protestlern mit Steinen und Flaschen beworfen worden, er trug ein schweres Schädelhirntrauma davon. Sein Zustand ist nach Angaben der Ärzte zurzeit „stabil, aber ernst“. Der Ministerpräsident erklärte gegenüber den Medien, Verständnis für die Unzufriedenheit der Bürger angesichts ihres Wohlstandverlusts zu haben, doch würden „fliegende Steine“ nicht die Lösung ihrer Probleme darstellen und bestand auf Dialog als einzig mögliche Lösung gesellschaftlicher Probleme. Der Oberbürgermeister der Hauptstadt, Sorin Oprescu, appellierte an die Demonstranten, sich jeglicher Gewalt zu enthalten. 
 
In Bukarest waren gestern rund 30 Personen, darunter 5 Gendarmen und ein Journalist, bei den Demonstrationen verletzt worden. Etwa 40 Protestler wurden vorläufig festgenommen, einige von ihnen bekamen wegen Ruhestörung Geldstrafen aufgebrummt. Proteste wurden gestern in 24 Städten Rumäniens registriert.  
 
Neben Bukarest gingen am Sonntag jeweils einige Dutzend bis maximal 400 Menschen in Cluj/Klausenburg, Timisoara/Temeswar, Galati, Ploiesti, Alba Iulia, Iasi und weiteren Städten auf die Straße. In Iasi hatten die lokale Niederlassung der oppositionellen Sozialdemokraten, der Jugendverband der oppositionellen Liberalen und die Zweigstelle des Gewerkschaftsverbandes Sanitas zu Protesten aufgerufen, in Cluj forderten viele Bürger das endgültige Aus für das umstrittene Gold-Projekt Rosia Montana. In Bukarest forderten am Sonntag die vornehmlich betagten Protestler höhere Renten und billigere Arzneien, einige jüngere Demonstranten wollten die monatlichen Kreditraten gesetzlich verbieten lassen. Ein hauptstädtischer Stundentenverband teilte inzwischen mit, am frühen Abend rund 400 Studenten zur Protestbewegung am Universitätsplatz entsenden zu wollen.


Das Oppositionsbündnis Sozialliberale Union (USL) erklärte sich in einer Pressemitteilung "solidarisch mit allen Menschen, die dieser Tage protestieren“, verurteilte allerdings die gestrigen „Gewalterscheinungen“. Die Opposition forderte zudem am Sonntag die Einberufung einer außerordentlichen Parlamentssitzung (die rumänische Legislative ist derzeit noch in Parlamentsferien), um “die aktuelle politische Lage und die präzendenzlosen sozialen Unruhen” zu erörtern. Es gelte nunmehr, „auf eine politische Lösung hinzuarbeiten, um weitere Unruhen zu vermeiden” − wobei sich als einzige Lösung “vorgezogene Neuwahlen” anbieten würden, heißt es in der Pressemitteilung der oppositionellen Sozialisten und Liberalen.
 
 

Der Kommentar

Demokratie in Gefahr?

Freitag, 18. Mai 2012 von Alex Gröblacher

Acht NGOs aus der Bürgerrechtsbewegung haben der neuen rumänischen Regierung unlängst vorgeworfen, sich durch die im Senat durchgewunkene reine Mehrheitswahl nach britischem Modell eine breite Mehrheit sichern zu wollen. Eine andere NGO hat den gleichen Vorwurf vor einer Woche gemacht.  
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Was will denn das neue Wahlrecht, das eigentlich kein neues ist, weil es noch durch die Abgeordnetenkammer muss und höchstwahrscheinlich auch beim Verfassungsgericht angefochten wird?

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Rumänisches Kino kann auch unterhaltsam sein

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Zwei unlängst erschienene Neuproduktionen zeigen eine für die sogenannte „Neue Welle“ des rumänischen Kinos eher überraschende Eigenschaft: Humor von der natürlichen und erfrischenden Sorte, bei intelligenten Plots und ohne gespreizte Slapsticks. (Die – noch – jungen Regisseure der nach der Wende erfolgreichen Generation wehren sich allerdings zu Recht gegen die von Filmkritikern verwendeten Begriffe, die sie alle in eine Schublade stecken wollen.) 

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