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Boykott niederländischer Waren in Mittel- und Osteuropa: Rumänisch-holländische Handelskammer befürchtet Milliarden-Verluste


Boykott niederländischer Waren in Mittel- und Osteuropa: Rumänisch-holländische Handelskammer befürchtet Milliarden-Verluste
Foto: Torsten Born/pixelio.de

Die rumänisch-niederländische Handelskammer fordert die Regierung in Den Haag auf, umgehend bzw. noch bis zum 1. März 2012 ihre Blockade bezüglich des Beitritts Rumäniens und Bulgariens zum grenzkontrollfreien Schengenraum aufzugeben. Des Weiteren verurteilen die niederländischen, in Rumänien tätigen Unternehmer den Internet-Pranger des Rechtspopulisten Geert Wilders gegen mittel- und osteuropäische Zuwanderer scharf. „Es ist an der Zeit, dass die niederländische Regierung sofort einen positiven Entschluss bezüglich Rumäniens Aufnahme in die Schengenzone trifft und diesen nicht ein weiteres Mal, bis zum nächsten Bericht der EU-Kommission vom Sommer, vertagt“, sagte Peter de Ruiter, Präsident der rumänisch-niederländischen Handelskammer, dem Wirtschaftsblatt „Capital“.

 

Das umstrittene Hetzportal des Chefs der rechtsextremen Freiheitspartei, von deren Tolerierung die Minderheitsregierung des konservativen niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte abhängt, stellt aus de Ruiters Sicht einen „schwerwiegenden Verstoß gegen die Grundwerte der Europäischen Union“ dar. Der Geschäftsführer der bilateralen Handelskammer, Richard Reese, befürchtet indes anhand des jüngst ausgerufenen Boykotts in Mittel- und Osteuropa Milliardenschäden für die niederländischen Unternehmer und die Wirtschaft des Landes. „Die Niederlande isolieren sich gegenwärtig selbst − und das trotz der Tatsache, dass 75% unserer Wirtschaft vom Exportsektor abhängen. In diesem Punkt machen sich bereits erste Folgen dieser Politik bemerkbar, die Niederlande laufen Gefahr, Verluste von mehr als 2 Milliarden Euro einzufahren (...) Wenn wir so weitermachen, wird unser eigener Wohlstand bald versickern“, so Reese.

 

In Rumänien sind die Niederlande derzeit Top-Auslandsinvestor mit Investitionen von rund 11 Milliarden Euro im letzten Jahr. Entsprechend sprach sich die Leitung der niederländisch-rumänischen Handelskammer gegen den letzte Tage erfolgten Boykott-Aufruf des rumänischen Europaabgeordneten Sebastian Bodu (EVP) und dessen polnischen Kollegen Jacek Saryusz-Wolski (Leiter der polnischen Delegation der EVP-Fraktion) aus. In ihren offenen Schreiben hatten die beiden Europaabgeordneten alle Bürger der 12 neuen Mitgliedstaaten der EU aufgefordert, angesichts des Hetz-Portals des Rechtspopulisten Wilders gegen mittel- und osteuropäische Zuwanderer und der hierzu ausstehenden Reaktion der Regierung in Den Haag sämtliche niederländischen Waren zu boykottieren.

 

Es sei an der Zeit, dass die Regierung in Den Haag eine „klare Botschaft“ der rund 100 Millionen Bürger aus Mittel- und Osteuropa erhalte − deren Rechte schließlich die gleichen wie die der Niederländer seien. „Wir rufen deshalb zum Großboykott aller niederländischen Produkte in sämtlichen 12 Mitgliedstaaten auf, die der EU ab 2004 beigetreten sind. Wenn Diplomatie versagt, sind die Bürger berechtigt, direkt und mittels demokratischer Instrumente einzugreifen − wie etwa anhand des Rechts eines jeden Verbrauchers auf freie Produktwahl. Es ist an der Zeit, der niederländischen Regierung und der rechtsradikalen Partei, von deren Tolerierung sie abhängt und deren extremistische Aktionen sie toleriert, eine dezidierte Botschaft zukommen zu lassen“. Die mittel- und osteuropäischen Bürger seien entsprechend aufgefordert, ab sofort Produkte der Konzerne Shell, Heineken, Dove, TNT, Amstel, Lipton, Rexona, Knorr, Axe, Wolters Kluwer, Tom Tom u.a. zu ignorieren, wobei diese Liste offen bleibe. Man könne auch ohne die Produkte dieser Konzerne leben, hieß es im Schreiben der Europabgeordneten Bodu und Saryusz-Wolski.


Der Kommentar

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