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"Gehen Sie zu Pesamosca"


Wer im Laufe des letzten halben Jahrhunderts in Rumänien vom Kinderarzt diese Empfehlung erhielt, wusste, dass es schlecht um sein Kind bestellt war − Prof. Dr. med. Alexandru Pesamosca war nämlich der herausragendste pädiatrische Chirurg des Landes, eine unbestrittene Koriphäe der heimischen Medizin. Bei ihm landeten jene zahllosen Fälle, die als „hoffnungslos“ galten.

 

Für Zehntausende Eltern und kleine Patienten hat Alexandru Pesamosca über die Jahre die allerletzte Hoffnung dargestellt − laut Statistiken des Bukarester Kinderkrankenhauses „Marie Curie“ konnte er im Verlauf seiner fast 60-jährigen Karriere rund 50.000 „verzweifelte“ Fälle erfolgreich behandeln. Pesamosca war nicht nur ein begnadeter Herzchirurg auf dem Gebiet der Pädiatrie, sondern entwickelte sich in späteren Jahren auch zu einem herausragenden plastischen Chirurgen, obwohl er sich ursprünglich gar nicht darauf spezialisiert hatte.

 

Pesamoscas Stellenwert in der rumänischen Gesellschaft ging jedoch weit über sein phänomenales medizinisches Können hinaus − ein weiteres seiner Attribute sprach sich im ganzen Land schnell herum und ist, zumindest in Bukarest, bis heute sprichwortlich geblieben: „bescheiden wie Pesamosca“! Die einzigen „Geschenke“, die er akzeptierte, waren Briefe und Fotos seiner kleinen Patienten, denen er zu neuem Leben verholfen hatte und die ihn liebevoll „Papa Pesi“ nannten. Er besaß keine fetten Bankkonten, keine teuren Schlitten, ja nicht einmal eine eigene Wohnung − er habe nie Zeit gehabt, sich um derlei Dinge zu kümmern, sagte er vor etlichen Jahren in einem Fernsehinterview. Fast 30 Jahre lang hauste Pesamosca in einem kaum mehr als zehn Quadratmeter großen Raum des Krankenhauses „Marie Curie“, dessen Wände mit den Fotos seiner „Kinder“, sprich Patienten, tapeziert waren, ansonsten voller medizinischer Abhandlungen steckte und nur einen Schreibtisch sowie ein schmales Krankenhausbett aufwies. Der Kabuff lag, bezeichnenderweise, gleich neben dem OP.

 

„Mergeti la Pesamosca - Gehen Sie zu Pesamosca“! Alexandru Pesamosca ist am Donnerstagmorgen im Alter von 81 Jahren gegangen – von uns. Nicht nur von seinen Patienten, sondern von der gesamten rumänischen Gesellschaft, die ohne ihn noch verrohter, ethikloser, arrivistischer und vulgärer anmutet.

 

Ich bin kein Nachrufschreiber und habe Professor Pesamosca nie kennengelernt − dieser Blogbeitrag entstand folglich nicht aus einer persönlichen Motivation heraus. Doch wollte ich unsere Leserschaft wissen lassen, dass es in Rumänien auch diese Art von Menschen gibt. Oder gab. Auch bin ich kein religiös veranlagter Mensch, allerdings schoss es mir bei den Breaking News über das Ableben des Kinderarztes durch den Kopf: ‚Gott muss wohl heute sein gesamtes Engelsregiment zu einem gewaltigen Chor antreten haben lassen, um Pesamosca willkommen zu heißen.’

 


Der Kommentar

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Zwei unlängst erschienene Neuproduktionen zeigen eine für die sogenannte „Neue Welle“ des rumänischen Kinos eher überraschende Eigenschaft: Humor von der natürlichen und erfrischenden Sorte, bei intelligenten Plots und ohne gespreizte Slapsticks. (Die – noch – jungen Regisseure der nach der Wende erfolgreichen Generation wehren sich allerdings zu Recht gegen die von Filmkritikern verwendeten Begriffe, die sie alle in eine Schublade stecken wollen.) 

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