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Krebsmarker für Nationalstolz


Interessant, wie in Rumänien Nationalstolz die Berichterstattung selbst unbewusst verzerren kann. Zwei rumänische Forscher, berichteten dieser Tage die Printmedien (das Fernsehen war gerade damit beschäftigt, sich im emotionalen Morast der Lobreden auf den gerade verstorbenen Hofpoeten Ceausescus zu suhlen und sich die Haare über den immensen Verlust für die rumänische Kultur auszureißen), haben ein Gen entdeckt, das mindestens 11 Krebsarten gemeinsam ist und so entscheidend zur Krebsbekämpfung beitragen kann. Die Story war schon längst in den internationalen Medien erschienen.
 

Wieso also die Verspätung?
 

Der Grund liegt auf der Hand: Man war in den rumänischen Redaktionen nicht darauf gekommen, dass in den beiden Teams, auf deren Konto die Entdeckung geht, Rumänen eine Hauptrolle spielen. Die ausländische Presse setzte - übrigens absolut normal - den Schwerpunkt auf die bahnbrechende Entdeckung, nicht auf den Reisepass der Forscher. Die rumänische Medienmaschine setzte sich erst dann in Bewegung, als irgendwer bemerkte, dass die Namen der Wissenschaftler rumänisch klingen.


Die wissenschaftlichen Erkenntnisse blieben im Hintergrund. Eine Transfersituation: Wenn wir im EU-Land mit dem wohl kleinsten Forschungsetat schon keinen Grund zum Nationalstolz finden, päppeln wir ihn mit den Leistungen anderer auf. Wären sie aber in Rumänien geblieben und nicht in die USA oder nach Frankreich gezogen, hätten Aurelian Radu und Nicolae Ghinea schwerlich zu ihrem Erfolg gefunden - die subfinanzierte Forschungsinfrastruktur hätte es nicht zugelassen. Dass die Medien diesen perfekten Anlass verpasst haben, eine ernste Diskussion über die Lage der Forschung in Rumänien anzustoßen, ist leider auch offensichtlich.           

 


Der Kommentar

Politischer Sprengstoff

Dienstag, 21. Dezember 2010 von Alex Gröblacher

In der – vorerst – letzten durch den britischen Guardian veröffentlichten Wikileaks-Depesche der US-Botschaft in Bukarest (mehr dazu hier) liegt politischer Sprengstoff direkt unter der Oberfläche begraben. Möglicherweise geht es dabei um Korruption auf höchster Ebene. Fast ganz beiläufig eröffnet nämlich der damalige US-Botschafter Nicholas Taubman, dass “sie” (wer genau? die Botschaft? Die US-Regierung?) und die amerikanische Firma Lockheed Martin versucht hätten, Rumänien zum Kauf von F16 Kampfjets zu überreden (das ist wahrscheinlich die treffendere Übersetzung von “to persuade” als überzeugen). 

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Blog

Liberaler Schwanengesang

Mittwoch, 12. Januar 2011 von Alex Gröblacher

Die Vernunftehe zwischen Liberalen (PNL) und Konservativen (PC), die bald in ein Menage a trois mit den Sozialdemokraten (PSD) ausarten dürfte, hat auch etwas Gutes an sich: sie hat die abflauende politische Diskussion angeregt und Klarheit geschafft. Eine Klarheit allerdings, vor der man Angst haben sollte. Crin Antonescu, der Parteichef der Liberalen, lange Zeit als Wunderkind der politischen Rhetorik gefeiert, hat gezeigt, was ideologisch hinter ihm steckt - gähnende Leere. Er wundert sich heute, wieso die Gegenreaktion auf seine Initiative so heftig ist.

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