Massengrab bei Popricani: Holocaust-Opfer waren größtenteils Kinder und Frauen
Donnerstag, 17. November 2011
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Massengrab in Popricani
Foto:
adrianchioflanca.blogspot.com
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Vor genau einem Jahr entdeckten in Rumänien Archäologen des Iasier Geschichtsinstituts „A. D. Xenopol“ und des Bukarester Elie-Wiesel-Instituts zur Erforschung des Holocausts in einem Wald des Dorfes Popricani, unweit der nordöstlichen Großstadt Iasi, ein Massengrab mit Überresten von im Zweiten Weltkrieg ermorderter Juden. Inzwischen steht fest: 12 der bislang 36 geborgenen Opfer waren 2 bis 16 Jahre alte Kinder, in 9 Fällen handelt es sich um Frauenleichen, bei den restlichen 15 um Männer im Alter zwischen 17 und 80 Jahren, berichtete das Lokalblatt „Ziarul de Iasi“ am Mittwoch.
Genau wie im Fall der drei bei der Ortschaft Stanca Roznovanu entdeckten Massengräbern seien auch diese Opfer eindeutig wehrlose Zivilisten gewesen, die die rumänische Armee massakriert hatte. „Nur 4 der ingesamt 36 Opfer waren tatsächlich erwachsene Männer bzw. zwischen 18 und 80 Jahre alt. Hier fand folglich ein Massaker an Kindern, Frauen und Greisen statt“, sagte der Leiter des Archäologenteams, Adrian Cioflanca.
Seitens der Iasier Militärstaatsanwaltschaft, die sich im Fall Popricani eingeschaltet hatte, erklärte Obermilitärstaatsanwalt Irinel Rotaru, dass im Massengrab „unterschiedliche Munitionsarten, darunter auch Artilleriegeschosse“, sichergestellt wurden, da die Region an der Kriegsfront lag. Man habe ballistische Untersuchungen durchgeführt, um Kaliber, Waffenhersteller und Zeitraum der Nutzung besagter Munition genau festzulegen, allerdings sei dies nach 7 Jahrzehnten nicht mehr möglich gewesen. „Fest steht lediglich, dass die Waffen eindeutig aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges stammen“, so Rotaru.
Der Iasier Geschichtsforscher Cioflanca hatte bereits letztes Jahr aufgezeigt, dass es sich bei den Opfern aus Popricani um Männer, Frauen und Kinder handelt, die von den rumänischen Truppen infolge des Beschlusses des pro-faschistischen Antonescu-Regimes, eine „ethnische Säuberung“ einzuleiten, erschossen wurden. Cioflanca zufolge stammten die Opfer wohl entweder aus der Großstadt Iasi, die in der Zwischenkriegszeit eine große jüdische Gemeinde aufwies und wo es in den letzten Juni-Tagen des Jahres 1941 zu ein Progrom gekommen war, oder aus dem Dorf Sculeni, wo die rumänischen Soldaten gleichfalls im Sommer 1941 die jüdischen Bewohner von den restlichen getrennt und massakriert hatten.
Die in Popricani geborgenen Überreste der Holocaust-Opfer wurden im April laufenden Jahres im Jüdischen Friedhof von Iasi beigesetzt.
Nach Erkenntnissen des Elie-Wiesel-Instituts wurden während des pro-faschistischen Regimes von Marschall Antonescu hierzulande zwischen 280.000 und 380.000 rumänische und ukrainische Juden und mindestens 11.000 Roma getötet. Rumänien war bis 1944 Verbündeter Nazi-Deutschlands. Mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit tut sich Rumänien nach wie vor schwer − sie begann erst vor wenigen Jahren und erfolgt auch gegenwärtig eher schleppend.