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Medien in selbstgebrauter Tinte


Die Auflagenstelle BRAT hat gerade die neuesten Zahlen über die Auflagen rumänischer Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht - Fazit des Berichts ist, dass die verkauften Auflagen in letzter Zeit um die Hälfte eingebrochen sind. Das muss niemanden wundern, am wenigsten die Medienmacher selbst, die sich diese Suppe selbst eingebrockt haben. 


 
Natürlich haben die Pleiten auf dem rumänischen Medienmarkt auch objektive Gründe: Die Krisen der letzten Jahre oder die Einbrüche auf dem Werbemarkt. Aber es gibt auch hausgemachte Strategiefehler. So haben viele Medienmanager die tatsächliche Geschäftstauglichkeit des Mediums Internet falsch eingeschätzt. Und es gibt, gemessen am Werbemarkt, zu viele Titel. Mergers sind angesichts des aufgeplusterten Ego der Medienzare unmöglich. Aber das größte Problem ist die Einstellung zum Verbraucher. Wenn man nur Auflagen und Marktquoten und Klicks zählt und denkt, dass man mit Sex&Gewalt langfristig Erfolg hat, verkennt man den Suchteffekt: Der Leser gewöhnt sich schnell an die Droge und braucht immer mehr, um high zu werden. Irgendwann aber ist eine Schwelle erreicht, wo nichts mehr hilft - der Süchtige stirbt oder entzieht, der Medienkonsument wendet sich ab. In dieser Phase sind wir nun.


Das Timing der Veröffentlichung der Auflagenzahlen war reiner Zufall, stimmte aber perfekt, denn noch war der jüngste Skandal der rumänischen Medienwelt nicht verhallt: Irgendein Anonymer hatte Ex-Regierungschef Emil Boc beim Umziehen im Fitness-Club heimlich gefilmt. Die Person hatte den Film einem Bukarester Skandalblatt angeboten, doch selbst für die hartgesottenen Journalisten dort waren die Aufnahmen mit dem splitternackten, zu dem Zeitpunkt noch amtierenden Regierungschef unbrauchbar. Nicht so für den TV-Sender Antena 1, der in einer eigentlich als Laufsteg für die vielen Flittchen und Schickimickis des rumänischen Möchtegern-Jetsets gedachten Show das Filmchen mit dem premierministerialen Gluteus Maximus zeigte. Ganz am Rande: Wahres Opfer war allerdings nicht Emil Boc, sondern Liberalenchef Crin Antonescu, der wie ein Anfänger in die Falle des Moderators tappte und akzeptierte, zu einem nicht näher genannten "politischen Skandal" - die Aufnahme deute auf ein Versagen des staatlichen Personenschutzes für Würdenträger - telefonisch in der Sendung Stellung zu nehmen. Antonescu, der 2009 für eine "Revolution des Anstands" eintrat, ist somit unten durch. Ein Politiker, der im Präsidentschaftsrennen von 2014 antreten will und sich Hals über Kopf in eine Show stürzt, ohne auch nur eine blasse Ahnung zu haben, worum es geht, ist schlicht und einfach dumm, egal was er dann tatsächlich dort verzapft.


Sofort empörten sich die journalistischen Gutmenschen über ihre Kollegen und über Antonescu. Was aber einem über die Internetauftritte der Zeitungen entgegenschlägt, ist pure Heuchelei. Wenn unter dem Meinungsartikel, in dem sich der Autor beklagt, wie tief die Presse und die Politik gesunken seien, eine belanglose Story über ein semianalphabetisches Busenwunder der rumänischen Pornoszene steht, ist die Empörung falsch. Wollen Medien ihre gesellschaftliche Relevanz nicht verlieren, müssen sie schnell wieder ihre Glaubwürdigkeit erlangen. Das bedeutet allerdings ein Umdenken der Produktpolitik, wozu, denke ich, kaum jemand fähig ist. 
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Der Kommentar

Demokratie in Gefahr?

Freitag, 18. Mai 2012 von Alex Gröblacher

Acht NGOs aus der Bürgerrechtsbewegung haben der neuen rumänischen Regierung unlängst vorgeworfen, sich durch die im Senat durchgewunkene reine Mehrheitswahl nach britischem Modell eine breite Mehrheit sichern zu wollen. Eine andere NGO hat den gleichen Vorwurf vor einer Woche gemacht.  
Was ist eigentlich dran?
Was will denn das neue Wahlrecht, das eigentlich kein neues ist, weil es noch durch die Abgeordnetenkammer muss und höchstwahrscheinlich auch beim Verfassungsgericht angefochten wird?

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Rumänisches Kino kann auch unterhaltsam sein

Montag, 09. April 2012 von Sorin Georgescu

Zwei unlängst erschienene Neuproduktionen zeigen eine für die sogenannte „Neue Welle“ des rumänischen Kinos eher überraschende Eigenschaft: Humor von der natürlichen und erfrischenden Sorte, bei intelligenten Plots und ohne gespreizte Slapsticks. (Die – noch – jungen Regisseure der nach der Wende erfolgreichen Generation wehren sich allerdings zu Recht gegen die von Filmkritikern verwendeten Begriffe, die sie alle in eine Schublade stecken wollen.) 

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