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Missbrauchsskandal erschüttert Rumänisch-Orthodoxe Kirche


Missbrauchsskandal erschüttert Rumänisch-Orthodoxe Kirche
Erzbischof Teodosie
Foto: Arhieposcopia
Tomisului

In Rumänien wird die Orthodoxe Kirche des Landes seit Montag von einem Missbrauchsskandal erschüttert, nachdem ein 32-jähriger Mann den Hochgeweihten Teodosie, Erzbischof von Tomis, wegen sexuellen Missbrauchs bei der Generalstaatsanwaltschaft angezeigt hat. Das mutmaßliche Opfer bezichtigt den Erzbischof, ihn 1996 im Kloster Dervent, Landeskreis Constanta, sexuell genötigt zu haben. Der Erzbischof habe zudem nicht nur an ihm, sondern auch an anderen Minderjährigen „sexuelle Handlungen vorgenommen“. Die rumänische Generalstaatsanwaltschaft leitete umgehend Ermittlungen ein.

 

Das Erzbistum Tomis bestätigte am Montag, dass der junge Mann namens Ciprian Stanescu in besagtem Zeitraum als Vollwaise der Obhut des Rumänisch-Orthodoxen Kirche anvertraut und im Kloster Dervent untergebracht worden war. Nach Angaben des mutmaßlichen Opfers war er zum Zeitpunkt des sexuellen Übergriffs 17 Jahre alt, weitere Opfer des Erzbischofs seien ebenfalls minderjährige Schüler des Theologischen Seminars Constanta gewesen.

 

Das Erzbistum Tomis dementierte am Montag in einer Presseaussendung sämtliche Anschuldigungen des Mannes − seine Anzeige sei ein Racheakt gegenüber Bistum und Erzbischof Teodosie, da er von der Kirche aufgrund seiner „Verhaltensprobleme und psychischen Labilität“ nicht „den Segen für die Einschreibung an der Theologie-Fakultät“ erhalten habe. Obwohl die Rumänische Orthodoxe Kirche ihn als Vollwaise aufnahm und ihm über die Jahre Gymnasialstudien ermöglichte, habe der junge Mann dies in seiner Enttäuschung über die ausgebliebene Unterstützung zwecks Studiums der Theologie vergessen und räche sich nun durch eine abstruse Geschichte, die er der Presse auftische. Er habe im Übrigen auch den Erzbischof telefonisch bedroht, heißt es im Presserelease des Erzbistums Tomis.

 

Den Angaben der Bistumsleitung zufolge soll sich Erzbischof Teodosie zu besagtem Zeitpunkt gar nicht in der Dobrudscha (Südostrumänien) befunden haben, „zum Erzbischof von Tomis wurde er nämlich erst im Jahr 2001 berufen“. Auch einen potenziellen Zeugen des mutmaßlichen Opfers stempelte die Bistumsleitung als unglaubwürdig ab: „Ingenieur Laurentiu Mihaileanu, der zu Jahresbeginn in Rente ging, hegt eine erhebliche Animosität gegenüber der Leitung des Erzbistums Tomis, da er von uns zwischen März 2002−Juni 2004 wegen mangelnden Professionalismus freigestellt worden war“.

 

Erzbischof Teodosie war von der Tageszeitung „Romania libera“ schon vor einigen Jahren als bestechlich entlarvt worden, nachdem ihm ein als Möchtegern-Theologiestudent getarnter Reporter Geld und Schnaps für einen Studienplatz an der Theologie-Fakultät anbot − ein Deal, auf den der Hochgeweihte anstandslos einging. Zu seinem Pech hatte der Romania libera-Reporter eine versteckte Kamera dabei.

 


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