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Missratene Girl-Power


Missratene Girl-Power
Ministerin Udrea
als Madonna
Foto: tabu.ro

Rumäniens Entwicklungsministerin Elena Udrea hat es wieder einmal geschafft - sie ist in den Schlagzeilen. Nicht dadurch, dass das Land etwa plötzlich einen gewaltigen Leistungssprung in der Abschöpfung europäischer Strukturgelder geschafft hätte. Sondern durch ein Pictorial in der hiesigen Frauenzeitschrift Tabu. Frau Udrea wirbt durch solche Auftritte für mehr Girl-Power, wie sie selbst auf ihrem Blog beichtet. Sie steht dafür ein, sagt sie, dass in Rumänien irgendwann eine Frau in das Amt des Regierungschefs oder gar des Staatspräsidenten gewählt wird.

 

Voneinander getrennt, ist gegen Idee und Instrument der Verwirklichung nichts einzuwenden. Dass mehr Frauen in die rumänische Politik (oder Wirtschaft, Wissenschaft oder Kultur) gehören, ist klar. Rumänien ist kulturell eher ein Macho-Land, Frauen haben es nicht nur in traditionellen Männerdomänen schwer, sich beruflich gegen den Widerstand der Kollegen zu behaupten, also ist jede Initiative zugunsten der Frauen zu begrüßen. Es kommt aber auf die Tools an. Natürlich dürfen es auch PR-Instrumente sein. Es spricht prinzipiell nichts dafür, dass eine attraktive Frau sich den Medien zu verwehren hat, nur weil sie Politikerin ist. Aber ist ein Fotoshoot, bei dem sich eine Ministerin in die Pose von Powerfrauen (Cleopatra, Eva Peron, Jackie Kennedy, Margaret Thatcher, Madonna) wirft, der beste Weg, um der Causa Femina zu dienen? Wohl kaum. Von so einem Auftritt profitiert nur ihr eigenes Image - und das auch nur auf eine Weise, die ihr unmöglich passen kann: Männer fühlen sich dadurch bestätigt, Frauen als augenscheinbesessene Geschöpfe sehen zu dürfen.

 

Frau Udrea hat so den vielen Frauen geschadet, die ihrerseits Tag für Tag durch Leistungen weit überzeugender für das Bild der Frau in der Männerwelt kämpfen, auch wenn sie das nicht extra in ihren Terminkalender eintragen und auch nicht von Medien umgarnt werden: Pilotinnen, Forscherinnen, Sportlerinnen, Programmiererinnen, Busfahrerinnen, Juristinnen und viele andere - ihre Storys sind anonym, ihr Beitrag zumeist unbenannt, aber gerade deshalb umso wertvoller.  

 

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Der Kommentar

Missratene Girl-Power

Donnerstag, 03. November 2011 von Alex Gröblacher

Rumäniens Entwicklungsministerin Elena Udrea hat es wieder einmal geschafft - sie ist in den Schlagzeilen. Nicht dadurch, dass das Land etwa plötzlich einen gewaltigen Leistungssprung in der Abschöpfung europäischer Strukturgelder geschafft hätte. Sondern durch ein Pictorial in der hiesigen Frauenzeitschrift Tabu. Frau Udrea hat so den vielen Frauen geschadet, die ihrerseits Tag für Tag durch Leistungen weit überzeugender für das Bild der Frau in der Männerwelt kämpfen, auch wenn sie das nicht extra in ihren Terminkalender eintragen und auch nicht von Medien umgarnt werden.

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Samstag, 29. Oktober 2011 von Alex Gröblacher

Komisch, wie sich die Geschichte zu wiederholen scheint − bei den jüngsten Nachrichten aus Tunesien musste ich stutzen, weil mir vieles so vertraut vorkam:

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