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Tag 5 der Kundgebungen: Erste Zeichen von Systemprotesten in Rumänien


Auch am Dienstag haben in Rumänien Dutzende Demonstrationen stattgefunden. Zahlenmäßig schienen die Kundgebungen leicht zurückzugehen, flächenmäßig jedoch nicht − demonstriert wurde in mehr als 60 Städten und Ortschaften, wobei, je nach Ort, die Zahl der Protestler zwischen einem einzigen Menschen und bis zu 2500 schwankte. In der Hauptstadt Bukarest protestierten am frühen Abend etwa 800 Bürger am Universitätsplatz, gegen 20.00 Uhr stießen Vertreter eines Studentenverbands und mehrerer Gewerkschaften zur Kundgebung hinzu, so dass die Zahl auf etwa 2000 anschwoll. Besondere Zwischenfälle gab es nicht, fünf Personen wurden wegen illegalem Besitz von bei Demonstrationen verbotenen Gegenständen - darunter Reizgasspray - vorübergehend festgenommen. 

Hauptziel der Proteste blieben der Staats- und der Regierungschef, deren Rücktritt nach wie vor gefordert wird, allerdings gab es gestern erste konkrete Zeichen eines Systemprotests.
 
So mehrten sich in Bukarest, Cluj/Klausenburg und anderen Großstädten die Transparente, auf denen „PDL+USL=der gleiche Mist“ oder „PDL+USL=Mafia“ stand −  die von den Reportern befragten Demonstranten sprachen sich dabei für eine völlig neue Parteienlandschaft aus. Etliche Demonstranten forderten die Wiedereinführung der Monarchie, andere die Gründung einer „Piratenpartei“ in Rumänien. Am hauptstädtischen Uni-Platz war am Dienstag entsprechend ein erster „Pirat“ anwesend, auch Anonymous-Protestler mit Guy Fawkes-Masken wurden gesichtet. Die Atmosphäre am Uni-Platz war diesmal weitgehend entspannt − der „Pirat“ trug Balladen vor, ein anwesender orthodoxer Priester sang Psalmen. Viele Demonstranten ließen sich mit Gendarmen ablichten.
 
Dass den Rumänen derzeit das ganze politische System verhasst ist, bewies die Ankunft eines ersten Spitzenpolitikers am Uni-Platz, der der erbosten Menge nur mit Mühe entkam.

Der liberale Ex-Transportminister Ludovic Orban stellte sich am Dienstagabend als erster wohlbekannter Politiker am Uni-Platz ein – nach Meinung der Politbeobachter wohl angesichts der für Donnerstag geplanten Großdemonstration der Liberalen, um die Reaktion der Demonstranten auf die Anwesenheit der Opposition zu testen. Der Oppositionspolitiker wurde im Nu umzingelt, vehement ausgebuht und geschubst − die Demonstranten schrien ihn an, woher er denn seine Reichtümer habe, danach hieß es im Sprechchor: "Fort mit dir!" Orban entkam der Menge mit Müh’ und Not – er trat unter dem Schutz der Kamerateams seinen Rückzug an.    

 

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Der Kommentar

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