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Rumänien kämpft gegen Schnee und klirrenden Frost − Landeskreise Constanta und Tulcea von der Außenwelt abgeschnitten


Rumänien kämpft gegen Schnee und klirrenden Frost − Landeskreise Constanta und Tulcea von der Außenwelt abgeschnitten
Foto: H.J.Beyer/pixelio.de

In Rumänien kämpfen Behörden und Bevölkerung weiterhin gegen Schnee, Sturm und inzwischen auch gegen bitteren Frost: In der Hauptstadt Bukarest wurden am Freitagmorgen -10 Grad gemessen, im nördlichen Radauti gar -21 Grad Celsius.
Nach Angaben von Regierungschef Emil Boc steckten am späten Donnerstagabend noch 1008 Fahrzeuge (Kleinwagen, Kleinbusse, Busse, Lkw, Ambulanzen usw.) in den stellenweise mehr als 3 Meter hohen Schneeverwehungen fest, aus den Schneemassen gerettet wurden gestern 1.655 Menschen.

Die Stromversorgung war am Donnerstag in insgesamt 331 Städten und Ortschaften ausgefallen, landesweit mussten mehr als 700 Schulen geschlossen werden. Wegen des Frost-Hammers, der Rumänien bis Ende kommender Woche zusetzen wird, patroullierten in der Nacht auf Freitag Ambulanzen durch die Großstädte, um Obdachlose einzusammeln und in sichere Unterkünfte zu bringen. Der Unterstaatssekretär im Gesundheitsministerium, Raed Arafat, forderte den Einsatz der Armee in einem besonders dramatischen Fall in Giurgiu – hier steckte eine Ambulanz mit einer hochschwangeren Frau an Bord, deren Geburtswehen bereits eingesetzt hatten, in den Schneemassen fest.

Verteidigungsminister Gabriel Oprea gab auf der Dringlichkeitssitzung der Regierung bekannt, dass weitere 5000 Soldaten bereitstehen, sich ab Freitag an den Rettungseinsätzen zu beteiligen.

Die südöstlichen Landeskreise Constanta und Tulcea sind indes seit Donnerstagabend komplett von der Außenwelt abgeschnitten − wegen des andauernd schweren Schneesturms beschlossen die Behörden, sämtliche Zufahrten zu den beiden Verwaltungsbezirken zu sperren, die Nationalstraßen dürfen gegenwärtig ausschließlich von Schneeräumungsmaschinen und Ambulanzen befahren werden. Geschlossen sind zur Stunde die Autobahn A2 Bukarest - Fetesti, die Nationalstraßen  DN 22A Harsova - Saraiu, DN 3 Ostrov - Constanta, DN 38 Agigea - Negru Voda, DN 39 Constanta Vama -Veche, DN 39B – Kurort Olimp, DN 39C - Kurort Neptun, DN 39D - Kurort Cap Aurora, DN39E - Cumpana, DN 22 Constanta - Tulcea, DN 22C Cernavoda - Basarab sowie die A4 - Ausfahrt Constanta, des Weiteren auch der Flughafen Constanta sowie sämtliche Donau- und Schwarzmeerhäfen.

In der Schwarzmeerhafenstadt Constanta gab es am Donnerstag neben dem Schnee- auch ein erhebliches Verwaltungschaos, da sich zur Empörung der Einwohner herausstellte, dass viele Beschlüsse und Maßnahmen vor Ort wegen der Abwesenheit des lokalen Bürgermeisters Radu Mazare (PSD) zunächst nicht getroffen werden konnten. Der skurrile Statthalter weilt zurzeit in Österreich, wo er sich einen Schiurlaub gönnt − nach Angaben der Presse bereits den dritten in diesem noch jungen Jahr. Der Präfekt von Constanta übernahm schließlich die gesamte Koordination der Rettungseinsätze und der Stadtverwaltung.


Der Wetterdienst warnt indes ausdrücklich vor weiterhin sinkenden Temperaturen − so werden in der Hauptstadt Bukarest schon in der Nacht auf Samstag Werte von -18 Grad Celsius erwartet, in Siebenbürgen muss am Wochenende mit Nachtwerten von bis zu -25 Grad gerechnet werden.


Im Fogarascher Gebirge herrscht wegen der schweren Schneefälle der letzten Tage Lawinengefahr der Höchststufe 5.
 


Der Kommentar

Sieben Tage Ungureanu

Mittwoch, 15. Februar 2012 von Alex Gröblacher

Rumäniens neuer Premierminister Mihai Razvan Ungureanu ist jetzt seit einer Woche im Amt. Normalerweise kaum Zeit für eine vernünftige Bilanz, aber diese ersten Tage lassen immerhin gewisse Schlüsse für die nächsten etwa neun Monate bis zu den Wahlen zu. Ungureanu markiert den starken Mann. Es ist verständlich, dass er sich durch hartes Durchgreifen neu positionieren will. Dazu gehört aber mehr, als nur Sündenböcke zu bestrafen. Will er etwas beweisen, muss der neue Premierminister einen neuen Führungsstil entwickeln. Er hat im Außenministerium und beim Auslandsgeheimdienst gezeigt, dass er Reformen durchsetzen kann. Er muss es nur wollen. 

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Blog

Medien in selbstgebrauter Tinte

Donnerstag, 16. Februar 2012 von Alex Gröblacher

Die Auflagenstelle BRAT hat gerade die neuesten Zahlen über die Auflagen rumänischer Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht - Fazit des Berichts ist, dass die verkauften Auflagen in letzter Zeit um die Hälfte eingebrochen sind. Das muss niemanden wundern, am wenigsten die Medienmacher selbst, die sich diese Suppe selbst eingebrockt haben. 

Natürlich haben die Pleiten auf dem rumänischen Medienmarkt auch objektive Gründe, das größte Problem ist die Einstellung zum Verbraucher. Wollen Medien ihre gesellschaftliche Relevanz nicht verlieren, müssen sie schnell wieder ihre Glaubwürdigkeit erlangen. Das bedeutet allerdings ein Umdenken der Produktpolitik, wozu, denke ich, kaum jemand fähig ist. 
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